12 Laterales Denken.

Alles unter einem Hut.
Einen wichtigen Begriff prägte Edward DeBono 1967 mit dem "Lateralen Denken". Laterales Denken bedeutet nach DeBono, bewusst "um die Ecke zu denken", unlogisch und unkonventionell. Damit beansprucht das Laterale Denken die gleichen Attribute, die der Begriff der Kreativität insgesamt umfasst. Im Grunde genommen handelt es sich beim Lateralen Denken um eine Ausarbeitung und Präzisierung bereits bekannter Erkenntnisse aus der Kreativitätsforschung, um eine Weiterentwicklung bestehender Denkwerkzeuge mithin.

Was genau will das Laterale Denken leisten?
Es soll ein Denken in Gang setzen, das nicht von bestimmten, festgesetzten Prinzipien ausgeht. Und welches somit nicht nur zu einem einzigen richtigen Schluss kommt. Vor diesem Hintergrund ist auch seine Kreativitätsdefinition und sein gesellschaftspolitischer Ansatz zu sehen: "die Fähigkeit, aus dem Gefängnis der alten Ideen auszubrechen und neue zu entwickeln. Diese Art zu denken, nenne ich Laterales Denken ". Beim Lateralen Denken werden die Voraussetzungen umgeworfen und, etwa durch Gedankensprünge, in ihr Gegenteil verwandelt.

Während das vertikale Denken die herkömmliche Denkweise mit aufeinanderfolgenden und logischen Schritten repräsentiert, beschreibt Laterales Denken einen Prozess und steigert die Wirksamkeit des vertikalen Denkens, indem es ihm viele alternative Lösungsansätze aufzeigt. Beide Denkstile schließen sich also nicht gegenseitig aus. DeBono umschreibt diese Stile so: "Das vertikale Denken treibt die Ideen weiter, die das Laterale Denken hervorgebracht hat. Man gräbt kein zweites Loch, wenn man ein bereits vorhandenes vertieft. Das Laterale Denken wird angewendet, um woanders ein Loch zu graben." Laterales Denken verändert Muster, schafft eine Neuanordnung von Informationen. Man sucht nicht nach der richtigen Antwort, sondern nach der anderen Anordnung der Informationen. Eine Typologie des vertikalen und Lateralen Denkens zeigt folgende Übersicht:

vertikales Denken
·
selektiv
· setzt sich nur dann in Bewegung, wenn eine Richtung vorhanden ist, in die es sich bewegen kann
· analytisch
· jeder einzelne Schritt muss richtig sein
· folgerichtig
· alles Belanglose wird ausgeschlossen
· Kategorien, Klassifizierungen und Kennmarken sind festgelegt    
· schlägt den erfolgreichsten Weg ein

Laterales Denken
·
generativ
· setzt sich in Bewegung um eine Richtung zu finden
· provokativ
· nicht jeder Schritt muss richtig sein
· sprunghaft
· alles wird begrüßt, was sich zufällig aufdrängt
· keine Festlegungen
· erforscht den unwahrscheinlichsten Weg

DeBono will mit seiner Methode eingefahrene Denkgewohnheiten überwinden. Er stützt sich dabei auf vier Prinzipien:

1. Erkennen beherrschender Vorstellungen und Denkwege
2. Suche nach anderen Wegen, Dinge zu betrachten
3. Lockerung der strengen Kontrolle, die das rational-logische (vertikale) Denken ausübt
4. Bewusste Verwendung des Zufalls

DeBono erkannte, dass der Mensch dazu neigt, nicht vertraute Situationen in vertraute Elemente zu zerlegen. "Es ist beunruhigend, sich vorzustellen, wie viele Situationen nur unzureichend verstanden werden, weil der Versuch, sie zu erklären, sich in der Verwendung vertrauter Muster erschöpft." Für die Überwindung dominanter Betrachtungsweisen empfiehlt DeBono verschiedene Techniken. Dabei greift auch er wieder auf die Heurismen zurück.

a) Blickpunktumkehrung
b) Visuelles Denken
c) Zerlegung eines Problems in immer kleinere Einheiten, um dann eine neue Zusammensetzung zu versuchen
d) Absichtliches Umkehren der Relationen
e) Analogie, Übertragung der Relationen einer Situation auf eine andere, leichter zu handhabende Situation
f) Verlagerung der Aufmerksamkeit von den naheliegenden auf weniger signifikante Aspekte

Beim logischen Denken muss jeder Denkschritt richtig sein, nicht dagegen beim Lateralen. Für DeBono ist es wichtiger, mit dem Lateralen Denken die Denkmuster des Verstandes aufzulösen, Denkurteile zu verzögern und aufzuschieben, Informationen neu aufeinander einwirken und so einen Freiraum für neue Ideen entstehen zu lassen. Deshalb verwendet seine Methode Informationen provokativ, strukturiert Muster intuitiv um und stellt allgemein akzeptierte Begriffe in Frage. Für DeBono ist die Umstrukturierung von Denkmustern notwendig, um bereits vorhandene Informationen wirksamer nutzen zu können.

Beispiel:
Ein Angestellter kommt bestens mit seinen Teamkollegen aus, hat einen Job, der ihm Spaß macht und erfüllt, aber einen unerträglichen Vorgesetzten, der ihn schikaniert und ihm das Leben schwer macht. Der Angestellte brütet über dem Problem, überlegt sich, wägt ab (den interessanten Job, die Arbeitsatmosphäre mit angenehmen Kollegen eintauschen gegen eine ungewisse Zukunft in einem neuen Job, um dem fiesen Chef zu entgehen? Bleiben wegen der Vorteile und den Chef in Kauf nehmen?). Das ist so weit alles logisch. Er kommt zum Schluss, dass der Vorgesetzte unerträglicher ist als die Aussicht, in einem anderen Job neu zu beginnen und wendet sich an eine externe Personalberatung. Dort trifft ihn wie ein Blitz ein lateraler Gedankengang: Er schildert dem Personalberater in blumenreichen Worten den Werdegang und die Fähigkeiten seines Chefs. Der Berater findet für den Chef eine attraktive Firma, der Chef schnappt zu, und der Angestellte kann an seinem Arbeitsplatz bleiben.